Der Blick nach vorn

RHEditorial Januar 2021

DER BLICK NACH VORN

Während sich der neue US-Präsident aufmacht, sein zerrissenes Land zu einen,
sich in Europa besonnene Stimmen mehren, wonach die Bekämpfung der Pandemie weniger angstgetrieben und dafür zielgerichtet mit weniger Schaden für die Wirtschaft erfolgen kann, der neue Vorsitzende der Christdemokraten vor dem Bundestagswahlkampf und damit vor der Aufgabe steht, die bürgerliche Mitte in Deutschland zurückzugewinnen, erlebt manch einer von uns hautnah die Folgen der Berliner Landespolitik:

So wurde einem meiner Freunde vom Vermieter kürzlich mitgeteilt, dass seine Wohnungsmiete mietendeckelkonform um 300 € monatlich reduziert werde.
Mein Freund rief sofort zurück, er verdiene seit Jahren gut, benötige keine Reduzierung der Miete und wisse auch, dass die Miete für geplante Instandsetzungen am Haus benötigt werde.
Kurzum, er schätze seine geräumige Wohnung in bester Kreuzberg-Lage nebst PKW-Stellplatz in der Tiefgarage und wolle die vereinbarte Miete einfach weiter zahlen.

Nein, so ginge es nicht, ließ sein Vermieter verlauten, denn er sei gesetzlich zur Reduzierung der Miete verpflichtet und riskiere ein hohes Bußgeld, wenn er die vereinbarte Miete weiterhin entgegennähme. So müsse er auch bei den gut verdienenden Mietern darauf bestehen, dass ab sofort nur noch die zulässige Miete überwiesen werde. Die Renovierung des Treppenhauses und die Erneuerung des Daches müsse er jetzt allerdings zurückstellen.

„Unsinn, du siegst und ich muss untergehen“,
sagt Talbot, der Held in Schillers Drama 'Die Jungfrau von Orleans'.

Allerdings - Was wäre ein Leben ohne Hoffnung? Und so folgen wir dem Dichter Hölderlin und blicken nach vorn auf die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes, die zur Mitte des Jahres erwartet wird. Gründe, das Berliner Gesetz zur Mietenbegrenzung für verfassungswidrig zu erklären, gibt es nun wirklich genug.

In diesem Sinne ...

Ernst-M. Ehrenkönig
CEO/ Managing Partner