Wahre Liebe

RHEditorial Februar 2022

Wahre Liebe

Vor ein paar Tagen habe ich einen Berg bestiegen, um ins Kino zu gehen – und zwar ins „Knottnkino“ oberhalb von Meran in Südtirol. Das „Knottnkino“ ist eine Open-Air-Plattform auf 1.400 Meter Höhe, die Spektakuläres zu bieten hat: Einen sagenhaften Rundumblick auf das Etschtal und die umgebende Berg- und Waldlandschaft. Man sitzt dort, wird von allein ganz still und erlebt, wie schön, wie überwältigend Natur ist. Nur durch das Schauen entsteht ein Gefühl großer Verbundenheit, ein Gefühl, Teil dieser Natur zu sein, und das fühlt sich an wie - Liebe.

 

Ein Ausdruck tiefer Liebe ist es, einen Menschen so sein zu lassen, wie er ist. So weit geht unsere Liebe zur Natur, zum Wald meist nicht. In Deutschland rodet die Forstwirtschaft massenhaft auch alte Laub- und Nadelbäume, betreibt sogenannte Waldpflege. Jeden Tag greifen wir so tief in die Natur ein. Dabei könnten wir dem Wald nur ein Geschenk machen: Ihn einfach mal in Ruhe lassen. 

 

Mit Naturschutz schützen wir nicht die Natur, wir schützen uns selbst“, sagt Peter Wohlleben, der bekannteste deutsche Waldexperte. Er hat seinen Beruf als Förster aufgegeben, weil er kein „Baummetzger“ mehr sein wollte. Seitdem kritisiert Wohlleben, dass Forstwirtschaft Wälder vor allem als „Produktionsstätten für Holz“ versteht und sagt: „Wir brauchen den Wald, gerade in Zeiten des Klimawandels.“ Der Wald ist durch die Verdunstung von Wasser in der Lage, sich und seine Umgebung herunterzukühlen – und das ist gut für das Klima. Wo Bäume fehlen, wo der Wald verschwindet, steigt die Temperatur. 

 

Also: ''Lasst den Wald, lasst die Bäume stehen. Sie sind in der Lage, sich zu regenerieren und anzupassen'', sagt Wohlleben. Wenn wir das Klima schützen wollen, dürfen wir der Natur vertrauen – und nicht immer glauben, dass wir alles besser wissen. DAS wäre gute Ökopolitik.

 

Die reale Ökopolitik, die heute auf erneuerbare Energien setzt, beispielsweise Windkraft, verfolgt einen angeblich guten und vor allem nachhaltigen Weg.

Allerdings: Wenn wir uns in Deutschland ins Open-Air-Kino setzten und auf die Wälder schauten, was würden wir an vielen Stellen sehen? Windräder. Viele Windräder, gigantische Fremdkörper in der Natur, die das Landschaftsbild auf Jahrzehnte zerstören.

 

Tatsächlich errichten wir in Deutschland Windräder auch mitten im gewachsenen Wald. In den Wäldern Brandenburgs waren es im Jahr 2020 schon 327, in Rheinland-Pfalz stehen stehen nahezu 500 Windkraftanlagen im Wald. Im windarmen Bayern sollen in den nächsten Jahren künftig Hunderte von Windrädern errichtet werden, viele davon in den Wäldern. Wo der Bundersminister für Wirtschaft und Klimaschutz „ökologischen Patriotismus“ einfordert, regt sich auf bayerischem Land zurecht der Widerstand.

 

Denn die Anlagen werden auch mitten in schützenswerten Ökosystemen gebaut, jedes Jahr tödliche Falle für Tausende von Vögeln und Milliarden von Insekten. Der Waldboden wird für riesige Fundamente und Kabeltrassen aufgegraben und zum Teil zubetoniert. Für die Herstellung der Rotorblätter wird Balsaholz aus Südamerika verwendet, das leicht, biegsam und widerstandsfähig ist.  Die Nachfrage nach Balsaholz ist in den vergangenen Jahren daher extrem gestiegen. Für ein Rotorblatt werden 150 Kubikmeter Holz benötigt, also mehrere Tonnen – dafür werden hektarweise Balsabäume geerntet und nach Deutschland importiert. Die Plantagen können die hohe Nachfrage nicht mehr decken, und so werden immer mehr Bäume im Urwald geschlagen. Mit anderen Worten: Für gutes Gewissen und angeblich sauberen Strom in Deutschland wird Urwald in Südamerika vernichtet. Was das für unser Klima bedeutet, wissen wir.  

 

Einst beseelt von der Vision, die Ressourcen der Erde zu schonen, ist auch die Windkraft durch Politik und Subventionen längst zum Big Business geworden, das keine Rücksicht auf schädliche Nebenwirkungen nimmt.

 

Darum: Machen wir deutlich, was wir von dieser Art der Ökopolitik halten. Und schützen wir das, was wir lieben.

 

Ich wünsche Ihnen einen wunderbaren und liebevollen Valentinstag!


Ihr

Ernst-M. Ehrenkönig

CEO/ Managing Partner