Was wirklich zählt

RHEditorial November 2020

WAS WIRKLICH ZÄHLT

NOVEMBER  2020


Was wirklich zählt

Zum Ende des Herbstes schwört uns die Politik auf einen harten Winter ein und zerstreut aufkommende Hoffnung auf baldige Lockerungen der Verbote und Restriktionen.

Während die Infektionszahlen steigen und sich die Intensivstationen der Krankenhäuser füllen, zeigt sich der Staat großzügig und bietet Ausgleichszahlungen an.

Er tut es, wohlwissend, dass nicht alle aufgefangen werden, dass es viele zerstörte Existenzen geben wird und damit verbundenes, wirtschaftliches, seelisches und körperliches Leid.

Um so mehr schauen wir wie gebannt auf die Entwicklung des Impfstoffs, der uns baldmöglichst schützen soll, mit dem wir die Pandemie endlich in den Griff bekommen wollen.

Unternehmen wie BioNTech, CureVac und IDT Biologika werden mit Hunderten von Millionen Euro gefördert, die Forscher arbeiten mit Hochdruck und es deutet sich an, dass in den nächsten Monaten – in Rekordzeit - ein Impfstoff zur Verfügung stehen wird.

Das kann der Befreiungsschlag sein, der Pandemie und Leid beendet und unser gesellschaftliches und wirtschaftliches Leben wieder in den gewohnten Gang bringt.

In den gewohnten Gang ?

Erinnern wir uns, das Virus SARS CoV-2 stammt aller Wahrscheinlichkeit nach von einem Markt in Wuhan, ist dort auf den Menschen übergesprungen und traf auf ein Immunsystem, das mit diesem Erreger keinerlei Erfahrung hatte.

Eine Zoonose, wie Ebola, Tollwut und früher die Pest.
Zoonosen sind in vielen Fällen menschengemacht, an den Stellen nämlich, wo wir großflächig in Landschaften und Ökosysteme eingreifen, wo wir die Lebensräume von Tieren zerstören, wo Tiere massenhaft unter nicht artgerechten und meist entsetzlichen hygienischen Bedingungen eingesperrt, ausgebeutet und getötet werden.

Das geschieht jeden Tag, mitten unter uns aber mit Absicht vor unseren Augen verborgen.

So sehen wir nicht, wie in diesen Tagen  Millionen von Nerzen wegen einer Cluster 5 genannten Corona Mutation in dänischen Pelztierfarmen getötet werden.

Können wir wirklich so weitermachen ? Wenn ja, könnte es nur eine Frage der Zeit sein, bis das nächste Virus kommt.

Und es gibt überhaupt keinen Grund, warum künftige Epidemien nicht Hunderte von Millionen Menschen töten und den Planeten in eine jahrzehntelange Depression stürzen können.

Also ?

Wir können umdenken, uns für Umwelt- und Artenschutz einsetzen, für die Ausweitung von Schutzgebieten, das  Aufforsten von Wäldern, für das Verbot des Wildtierhandels und eine artgerechte Tierhaltung.

Wir können bewusster handeln, uns darauf besinnen, dass wir als Mensch Teil des Ganzen sind und die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt untrennbar miteinander verbunden ist.

Durch unsere Nachfrage können wir mitbestimmen, welche Waren produziert werden und wie.

Und wir können uns die Frage stellen, was es braucht, um ein glückliches und erfülltes Leben zu leben.

Und welche schönen Erinnerungen wirklich Bestand haben werden:

Der Nerzmantel oder der Sternenhimmel, den wir mit unseren Kindern oder einem anderen geliebten Menschen beobachten ?

Wir wissen die Antwort.
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In diesem Sinne, und wie immer herzlich

Ernst-M. Ehrenkönig
CEO/ Managing Partner